CO-Messung in explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Bereichen: Herausforderungen in RTO-Anlagen

Regenerative Thermische Oxidationsanlagen (RTO) sind in der che­mi­schen Industrie unver­zicht­bar für die Behandlung von VOC-hal­ti­gen Abgasen. Wenn jedoch ver­schie­de­ne Emissionsströme – bei­spiels­wei­se aus kryo­ge­nen VOC-Prozessen und CO-hal­ti­gen Abgasen – in einer gemein­sa­men Mischkammer zusam­men­ge­führt wer­den, ent­ste­hen beson­de­re mess­tech­ni­sche Anforderungen. Die kon­ti­nu­ier­li­che CO-Messung bis zur unte­ren Explosionsgrenze (UEG/LEL) stellt dabei eine sicher­heits­kri­ti­sche Messaufgabe dar, die spe­zia­li­sier­te Analysentechnik erfor­dert.

Wir bei Fresenius Umwelttechnik haben für sol­che Anwendungen Lösungen ent­wi­ckelt, die Explosionsschutz, schnel­le Ansprechzeiten und zuver­läs­si­ge Messwerte auch unter anspruchs­vol­len Prozessbedingungen gewähr­leis­ten. In die­sem Beitrag zei­gen wir, wel­che tech­ni­schen Herausforderungen bei der CO-Hochkonzentrationsmessung in RTO-Anlagen bestehen und wie moder­ne LEL-Analysatoren mit NDIR-Technologie die­se meis­tern.

Prozessanforderungen: Wenn zwei Gasströme zur Herausforderung wer­den

In der betrach­te­ten Anwendung wer­den zwei unter­schied­li­che Emissionsströme in einer Mischkammer zusam­men­ge­führt, bevor sie gemein­sam der RTO-Anlage zuge­führt wer­den. Die Emissionsüberwachung  erfolgt im gemein­sa­men Abgaskanal nach der Mischung mit fol­gen­den cha­rak­te­ris­ti­schen Bedingungen:

  • Volumenstrom: 3500 Nm³/h
  • Prozesstemperatur: nor­ma­ler­wei­se 35-40°C, maxi­mal bis 60°C
  • Druckbereich: 0,7-1,1 bar (Druckkompensation erfor­der­lich)
  • CO-Konzentration: bis 12,5 Vol.-% (ent­spricht 145 g/m³ oder 100% UEG)

Die zen­tra­le Herausforderung liegt in der Messung von CO in explo­si­ons­fä­hi­gen Konzentrationen. Bei 12,5 Vol.-% befin­det sich das Gasgemisch exakt an der unte­ren Explosionsgrenze von Kohlenmonoxid. Gleichzeitig müs­sen schnel­le Ansprechzeiten rea­li­siert wer­den, um pro­zess­re­le­van­te Änderungen zeit­nah zu erfas­sen und sicher­heits­re­le­van­te Grenzwerte nicht zu über­schrei­ten.

Technische Herausforderungen der CO-Hochkonzentrationsmessung

Kondensatbildung und Probenaufbereitung

Bei der Zusammenführung unter­schied­li­cher Gasströme – ins­be­son­de­re wenn kryo­ge­ne VOC-Prozesse betei­ligt sind – kann es zu Temperaturgradienten und damit zur Kondensatbildung kom­men. Kondensate ver­fäl­schen nicht nur die Messergebnisse, son­dern kön­nen auch zu Korrosion und Verstopfungen im Analysensystem füh­ren. Eine effek­ti­ve Gaskühlung und Kondensatabscheidung vor der eigent­li­chen Messung ist daher uner­läss­lich.

Schnelle Ansprechzeiten trotz Probenaufbereitung

In sicher­heits­kri­ti­schen Anwendungen sind schnel­le Reaktionszeiten ent­schei­dend. Die T90-Zeit – also die Zeit, bis 90% des Endwertes bei einer Konzentrationsänderung erreicht wer­den – muss auch unter Berücksichtigung der not­wen­di­gen Probenaufbereitung mög­lichst kurz sein. Dies erfor­dert opti­mier­te Strömungswege und aus­rei­chen­de Probenvolumenströme für Messverfahren von Arbeitsplatzatmosphären.

Die Lösung: SC300 LEL-Analysator mit NDIR-Zweistrahl-Technologie

Für die­se anspruchs­vol­le Messaufgabe set­zen wir den SC300 LEL-Analysator ein, der spe­zi­ell für die Messung brenn­ba­rer Gase in hohen Konzentrationen ent­wi­ckelt wur­de. Das System basiert auf der bewähr­ten NDIR-Zweistrahl-Technologie (Non-Dispersive Infrared) und bie­tet ent­schei­den­de Vorteile für die­se Anwendung:

NDIR-Zweistrahl-Technologie für prä­zi­se CO-Messung

Die nicht-disper­si­ve Infrarotmessung nutzt die spe­zi­fi­sche Absorptionseigenschaft von Kohlenmonoxid im Infrarotbereich. Das Zweistrahlprinzip kom­pen­siert auto­ma­tisch Verschmutzungen und Alterungseffekte der Infrarotquelle, was zu hoher Langzeitstabilität und gerin­gem Wartungsaufwand führt. Die tem­pe­ra­tur­sta­bi­li­sier­te Messzelle wird kon­stant bei 50°C gehal­ten, um Querempfindlichkeiten durch Temperaturschwankungen zu mini­mie­ren – ein ent­schei­den­der Vorteil gegen­über kata­ly­ti­schen Pellistor-Sensoren.

Integrierter Explosionsschutz

Der SC300 LEL ver­fügt über Flammensperren sowohl am Eingang als auch am Ausgang des Analysators. Diese ver­hin­dern zuver­läs­sig die Ausbreitung von Flammen oder Explosionen zwi­schen dem Analysator und dem Prozess. Die Konstruktion ent­spricht den Anforderungen für den Einsatz in explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Bereichen und gewähr­leis­tet höchs­te Sicherheitsstandards.

Leistungsstarke Probengasförderung

Eine inte­grier­te Probengaspumpe för­dert kon­ti­nu­ier­lich 4 l/min Probengas durch das System. Dieser ver­gleichs­wei­se hohe Volumenstrom ist ent­schei­dend für die schnel­le Ansprechzeit und sorgt dafür, dass reprä­sen­ta­ti­ve Proben aus dem Hauptgasstrom ent­nom­men wer­den. Die Pumpe ist so aus­ge­legt, dass sie auch bei leich­ten Druckschwankungen im Prozess (0,7-1,1 bar) einen kon­stan­ten Probengasfluss auf­recht­erhält.

Systemintegration und Probenaufbereitung

Externe Gaskühler zur Kondensatentfernung

Vor dem Eintritt in den Analysator durch­läuft das Probengas einen exter­nen Gaskühler. Dieser senkt die Gastemperatur kon­trol­liert ab und schei­det ent­ste­hen­de Kondensate zuver­läs­sig ab. Die gekühl­te und getrock­ne­te Probe erreicht dann die tem­pe­ra­tur­sta­bi­li­sier­te Messzelle, wo prä­zi­se und repro­du­zier­ba­re Messungen erfol­gen kön­nen. Diese Probenaufbereitung ist essen­ti­ell, um Messfehler durch Feuchtigkeit und Kondensate zu ver­mei­den.

Druckkompensation für sta­bi­le Messwerte

Da der Prozessdruck zwi­schen 0,7 und 1,1 bar schwan­ken kann, ver­fügt der SC300 über eine inte­grier­te Druckkompensation. Diese kor­ri­giert die Messwerte auto­ma­tisch und gewähr­leis­tet auch bei Druckschwankungen prä­zi­se Konzentrationsmessungen. Gerade bei Hochkonzentrationsmessungen, wo bereits klei­ne Abweichungen sicher­heits­re­le­vant sein kön­nen, ist die­se Funktion unver­zicht­bar.

Tägliche Nullpunktjustierung

Um höchs­te Messgenauigkeit zu gewähr­leis­ten, wird täg­lich eine auto­ma­ti­sche Nullpunktjustierung mit unbe­las­te­ter Umgebungsluft durch­ge­führt. Diese Kalibrierroutine kom­pen­siert Drift-Effekte und stellt sicher, dass die Messung auch über lan­ge Betriebszeiten hin­weg zuver­läs­sig bleibt. Die Nullpunktjustierung erfolgt auto­ma­ti­siert und erfor­dert kei­nen manu­el­len Eingriff des Betriebspersonals.

Performance-Merkmale: T90-Zeit und Messbereich

Die Gesamtperformance des Systems wird durch fol­gen­de Kennwerte cha­rak­te­ri­siert:

Parameter Wert / Spezifikation
CO-Messbereich 0 – 12,5 Vol.-% (0 – 145 g/m³, 0 – 100 % UEG)
T90-Zeit (inkl. Probenaufbereitung) 5 Sekunden
Probengasvolumenstrom 4 l/min
Messzellentemperatur 50 °C (sta­bi­li­siert)
Druckkompensation 0,7 – 1,1 bar
Messgenauigkeit ±2 % UEG

Besonders her­vor­zu­he­ben ist die T90-Zeit von nur 5 Sekunden inklu­si­ve der gesam­ten Probenaufbereitung. Dies ermög­licht eine nahe­zu echt­zeit­na­he Überwachung der CO-Konzentration und erlaubt schnel­le Reaktionen auf Prozessänderungen. Gerade in sicher­heits­kri­ti­schen Anwendungen, wo die Annäherung an die Explosionsgrenze recht­zei­tig erkannt wer­den muss, ist die­se schnel­le Ansprechzeit von ent­schei­den­der Bedeutung.

Fazit: Sicherheit durch spe­zia­li­sier­te Messtechnik

Die CO-Hochkonzentrationsmessung in RTO-Anlagen mit gemisch­ten Gasströmen stellt eine der anspruchs­volls­ten Aufgaben in der Prozessgasanalyse dar. Die Kombination aus explo­si­ons­fä­hi­gen Konzentrationen, unter­schied­li­chen Emissionsquellen und der Anforderung an schnel­le Ansprechzeiten erfor­dert spe­zia­li­sier­te Analysentechnik, die weit über Standard-Gasanalysatoren hin­aus­geht.

Mit dem SC300 LEL-Analysator auf Basis der NDIR-Zweistrahl-Technologie bie­ten wir eine Lösung, die alle sicher­heits­re­le­van­ten und mess­tech­ni­schen Anforderungen erfüllt. Die Integration von Flammensperren, leis­tungs­star­ker Probengasförderung, exter­ner Gaskühlung und auto­ma­ti­scher Druckkompensation gewähr­leis­tet zuver­läs­si­ge Messwerte auch unter anspruchs­volls­ten Prozessbedingungen.

Die T90-Zeit von 5 Sekunden inklu­si­ve Probenaufbereitung ermög­licht eine qua­si-kon­ti­nu­ier­li­che Überwachung und schnel­le Reaktion auf kri­ti­sche Konzentrationswerte. Dies trägt maß­geb­lich zur Prozesssicherheit bei und schützt sowohl Anlagen als auch Personal vor den Gefahren explo­si­ons­fä­hi­ger Gasgemische.

Für Anlagenbetreiber und Verfahrensingenieure, die vor ähn­li­chen Messaufgaben ste­hen, bie­ten wir umfas­sen­de Beratung zur Auslegung und Integration von LEL-Analysatoren in bestehen­de oder neue RTO-Systeme. Kontaktieren Sie uns, um gemein­sam die opti­ma­le Lösung für Ihre spe­zi­fi­sche Anwendung zu ent­wi­ckeln.

Häufig gestell­te Fragen (FAQ) zur CO-Messung in RTO-Anlagen

Warum muss CO bis zur Explosionsgrenze gemes­sen wer­den?

Die Messung bis zur unte­ren Explosionsgrenze (UEG/LEL) ist erfor­der­lich, um explo­si­ons­fä­hi­ge Gasgemische früh­zei­tig zu erken­nen und zu ver­hin­dern. Bei CO liegt die UEG bei 12,5 Vol.-%. Unterhalb die­ser Grenze besteht kein Zündrisiko, ober­halb kann es bei Vorhandensein einer Zündquelle zu Explosionen kom­men. Die kon­ti­nu­ier­li­che Überwachung ermög­licht recht­zei­ti­ge Gegenmaßnahmen gemäß TRGS 722 und schützt Personal und Anlagen.

Welche Zertifizierungen sind für LEL-Analysatoren in RTO-Anlagen erfor­der­lich?

LEL-Analysatoren in explo­si­ons­ge­fähr­de­ten Bereichen benö­ti­gen eine ATEX-Zertifizierung nach Richtlinie 2014/34/EU. Zusätzlich muss der Betreiber gemäß ATEX 1999/92/EG eine Zoneneinteilung vor­neh­men und ein Explosionsschutzdokument nach GefStoffV § 6 Abs. 9 erstel­len. Für die Emissionsüberwachung ist die Konformität mit EN 14181 erfor­der­lich.

Warum ist die NDIR-Technologie bes­ser als kata­ly­ti­sche Sensoren?

NDIR-Sensoren bie­ten meh­re­re Vorteile gegen­über kata­ly­ti­schen Pellistor-Sensoren: Sie sind unemp­find­lich gegen Katalysatorgifte (z.B. Schwefelverbindungen), haben eine län­ge­re Lebensdauer (kein Sensor-Verschleiß), benö­ti­gen kei­ne regel­mä­ßi­ge Kalibrierung und lie­fern prä­zi­se­re Messwerte bei hohen CO-Konzentrationen. Die Zweistrahl-Technologie kom­pen­siert zudem auto­ma­tisch Alterungseffekte der Infrarotquelle.

Wie oft müs­sen LEL-Analysatoren geprüft wer­den?

Gemäß TRGS 500 und ATEX 1999/92/EG müs­sen Gaswarneinrichtungen vor Inbetriebnahme, nach wesent­li­chen Änderungen und in regel­mä­ßi­gen Intervallen durch befä­hig­te Personen geprüft wer­den. Die Prüffristen sind in der Gefährdungsbeurteilung fest­zu­le­gen, typi­scher­wei­se jähr­lich. Der SC300 LEL-Analysator führt täg­lich auto­ma­ti­sche Nullpunktjustierungen durch, was die Wartungsintervalle ver­län­gert.

Welche CO-Grenzwerte gel­ten für RTO-Anlagen?

Nach TA Luft gel­ten für RTO-Anlagen in der che­mi­schen Industrie CO-Emissionsgrenzwerte von typi­scher­wei­se < 100 mg/Nm³ im gerei­nig­ten Abgas. Für die Sicherheitsüberwachung vor der RTO ist jedoch die UEG-Überwachung ent­schei­dend: Bei 12,5 Vol.-% CO (ent­spricht 145 g/m³ oder 100% UEG) muss die Anlage sofort abge­schal­tet wer­den, um Explosionen zu ver­mei­den.