Die kontinuierliche Überwachung von Prozessgasen ist in der Chemie, der Biogasproduktion und der Emissionsüberwachung ein zentraler Baustein für Effizienz und Anlagensicherheit.
Vor der Installation steht jedoch eine grundsätzliche Richtungsentscheidung: Soll direkt im Prozessstrom (in-situ) oder über eine Probenentnahme (extraktiv) gemessen werden? Beide Wege haben klare Stärken – und verursachen unterschiedliche Investitions- und Betriebskosten. Welches Verfahren rechnet sich wirtschaftlich in welcher Anwendung?
Inline-Gasanalyse: Direktes Messen im Prozessstrom
Bei der In-Situ-Analytik sitzt die Sensorik bzw. Optik direkt am Kanal oder Kamin. Das Gas wird reaktionsschnell gemessen, ohne den Prozess zu verlassen. Modernste optische Verfahren – wie die Laser-Dioden-Spektroskopie (TDLAS) – senden dafür ihr Lichtsignal quer durch den strömenden Gasstrom.
Abzugrenzen ist dies von der Inline-Messung, bei der sich die Messzelle in einer durchströmten Bypass-Leitung befindet. Beiden Verfahren ist gemeinsam: Sie messen nicht-extraktiv, wodurch eine externe Gasaufbereitung entfällt.
Die wichtigsten Vorteile der In-Situ-Gasmessung
- Echtzeit-Messwerte: Die Daten liegen nahezu ohne Zeitverzögerung vor.
- Geringer Aufwand: Keine aufwendige Aufbereitung nötig, da das Medium direkt im Prozess verbleibt.
- Hohe Temperaturbeständigkeit: Nutzung der Prozesstemperatur ermöglicht zuverlässige Messungen auch bei heißen und feuchten Gasen.
Grenzen und Herausforderungen der Technologie
Erschwerte Kalibrierung: Kalibrier- und Validierungsarbeiten müssen direkt am oft schwer zugänglichen Messort durchgeführt werden.
Signaldämpfung: Starke Staubentwicklung oder Trübungen im Gasstrom können das Signal dämpfen.
Wartungsaufwand: Optische Fenster verschmutzen und erfordern regelmäßige Reinigung sowie Justage.
Präzise Ausrichtung: Die Sende- und Empfangseinheiten müssen exakt über die Messstrecke ausgerichtet sein.
Komponenten-Limitierung: Meist ist nur eine Messkomponente je Messstrecke erfassbar, bei einer insgesamt begrenzten Auswahl an Messverfahren.
Extraktive Gasanalyse: Präzision durch kontrollierte Gasaufbereitung
Das extraktive Verfahren verfolgt einen verlässlichen Ansatz zur Gascharakterisierung: Eine Messgaspumpe entnimmt kontinuierlich eine repräsentative Probe direkt aus dem Prozess. Bevor die eigentliche Gasanalyse stattfindet, wird das Medium über beheizte Leitungen und effiziente Gaskühler aufbereitet – also gezielt gereinigt, getrocknet und auf eine stabile Temperatur gebracht.
Erst danach gelangt das Gas in den Gasanalysator (wie etwa die kompakte Smart-Series oder den Gas Analyzer 320 von Fresenius). Der große Vorteil dieser kontrollierten Umgebung in der Messküvette: Störeinflüsse wie Feuchtigkeit oder Partikel werden zuverlässig eliminiert, was extrem stabile und präzise Messwerte garantiert.
Wirtschaftlicher Vorteil: Effiziente Messstellenumschaltung
Ein zentraler Pluspunkt des extraktiven Ansatzes ist die Messstellenumschaltung:
- Kostenreduktion: Ein einziger Gasanalysator kann über interne Magnetventile bis zu acht Prozesspunkte im automatischen Wechsel bedienen.
- Mehrkomponenten-Analyse: An jedem einzelnen Messpunkt werden mehrere Gaskomponenten simultan erfasst.
- Zyklische Messung: Die Erfassung erfolgt sequenziell (nacheinander, nicht gleichzeitig), was die Hardwarekosten pro Messstelle bei komplexen Anlagen drastisch senkt.
Wichtiger Hinweis zur Emissionsüberwachung: Für die rechtlich vorgeschriebene kontinuierliche Emissionsüberwachung ist eine Umschaltung nicht zulässig. Hier kommt ein dedizierter Messgaseingang ohne Umschaltung zum Einsatz, um lückenlose Messdaten zu garantieren.
Der Kostenvergleich: Investition gegen laufende Wartung
1. Anschaffung und Installation (CAPEX)
In-Situ-Systeme wirken bei einer einzelnen Messstelle oft günstiger, da Probenahmeleitungen und Gaskühler entfallen. Mit jeder zusätzlichen Messstelle steigen die Kosten jedoch, da jeder Punkt eine eigene Messeinheit benötigt. Ein extraktiver Analysator lässt sich dagegen über ein Multipoint-Probenahmesystem auf mehrere Punkte aufschalten und senkt so die Kosten pro Messstelle.
2. Betrieb und Instandhaltung (OPEX)
Extraktive Systeme erfordern eine regelmäßige Wartung von Filtern und Gaskühlern, um Verschmutzung und Kondensat vorzubeugen. In-Situ-Sensoren sind mechanisch wartungsarm, können bei aggressiven Gasen jedoch degradieren; ein Sensortausch direkt am Kanal ist dann oft aufwendig, ebenso die Reinigung verschmutzter Optikfenster.
3. Kalibrieraufwand und Ausfallzeiten
Extraktive Systeme benötigen klassisch eine periodische Nachkalibrierung, teils mit kostenintensiven Prüfgasen; In-Situ-Lasersysteme kalibrieren sich häufig über integrierte Referenzzellen selbst. Genau hier setzen die NDIR-Analysatoren von Fresenius Umwelttechnik an, die je nach Applikation, Messbereich und Messwellenlänge zwei NDIR-Verfahren abdecken:
| NDIR-Verfahren | Kalibrieraufwand |
| Zweidruck-Referenz-Verfahren | selbstreferenzierend – keine Null- oder Prüfgase erforderlich |
| Dual-Beam mit Referenzdetektor | dank optimierter Kennlinienauswertung meist nur regelmäßige Nullpunktkorrektur; eine Endpunktkalibrierung ist nur in Sonderfällen erforderlich |
Diese Selbstreferenzierung ist ein Merkmal der NDIR-Zweidruck-Technik. Für andere Messprinzipien – etwa NDUV, paramagnetische oder Zirkonoxid-Sauerstoffmessung – gilt sie nicht; dort bleibt der jeweils prinzipspezifische Abgleich erforderlich. Der Kalibriervorteil senkt damit die laufenden Betriebskosten extraktiver NDIR-Systeme spürbar, ohne den grundsätzlichen Aufwand vollständig zu ersetzen.
Entscheidungshilfe: Welches Verfahren gewinnt in Ihrer Anlage?
Die In-Situ-Gasanalyse rechnet sich vor allem dann, wenn sehr schnelle Reaktionszeiten im Sekundenbereich gefordert sind oder wenn ein sauberes Gas an einer einzelnen, gut zugänglichen Messstelle erfasst werden soll.
Die extraktive Gasanalyse spielt ihre Stärken aus, sobald aggressive, feuchte oder heiße Gasgemische kontrolliert aufbereitet werden müssen oder wenn hochpräzise Multigas-Analysen (NDIR oder NDUV) gefordert sind – mit mehreren Komponenten je Messpunkt und mehreren, zyklisch bedienten Messstellen. Für die kontinuierliche Emissionsüberwachung wird dabei ein dedizierter Messgaseingang genutzt.
Die Mischung aus Gasmatrix und Messstellen entscheidet
Es gibt kein pauschales „Besser“ – nur ein „wirtschaftlicher für Ihren spezifischen Prozess“. Wer die Gasmatrix seines Messgases kennt und die Anzahl sowie die Erreichbarkeit der Messpunkte strategisch plant, trifft die tragfähige Entscheidung. In-Situ punktet bei Geschwindigkeit und Einzelmessstellen, extraktiv bei anspruchsvoller Gasmatrix, Multigas-Analytik und mehreren Messpunkten.
Sie sind unsicher, welches Verfahren Ihre Betriebskosten nachhaltig senkt? Sprechen Sie die Applikations-Experten von Fresenius Umwelttechnik an – wir analysieren Ihren Prozess und finden gemeinsam die technisch und wirtschaftlich passende Lösung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen In-Situ und extraktiver Messung?
Bei der In-Situ-Messung sitzt der Analysator am Kanal und misst direkt im Prozessgas, ohne Probenentnahme. Bei der extraktiven Messung wird eine Probe entnommen, aufbereitet (gefiltert, getrocknet, temperiert) und in einem separaten Analysator gemessen.
Wie viele Messstellen kann ein extraktiver Analysator überwachen?
Über einen internen Messstellenumschalter können bis zu acht Prozesspunkte im automatischen Wechsel bedient werden – zyklisch nacheinander, nicht gleichzeitig. Für eine kontinuierlich zu überwachende Emissionsmessstelle wird ein dedizierter Eingang genutzt.
Braucht ein extraktives System teure Prüfgase?
Das hängt vom Messprinzip ab. Beim NDIR-Zweidruck-Referenzverfahren ist das System selbstreferenzierend und benötigt keine Null- oder Prüfgase. Beim NDIR-Dual-Beam-Verfahren genügt meist eine regelmäßige Nullpunktkorrektur, eine Endpunktkalibrierung nur in Sonderfällen. Für NDUV oder die Sauerstoffmessung gelten die jeweils prinzipspezifischen Abgleiche.
Welches Verfahren reagiert schneller?
In-Situ-Lasersysteme liefern die Messwerte in etwa zwei Sekunden, da das Gas nicht transportiert wird. Extraktive Systeme liegen inklusive Transportzeit typischerweise im Bereich von etwa 20 bis 40 Sekunden.
Welches Verfahren eignet sich für die Emissionsüberwachung?
Da die Emissionsüberwachung kontinuierlich erfolgen muss, wird ein dedizierter Messgaseingang ohne Messstellenumschaltung eingesetzt. Ob in-situ oder extraktiv das passende Verfahren ist, richtet sich nach Gasmatrix, geforderter Genauigkeit und den Prozessbedingungen.




